Konfliktfähigkeit fürs Führungsamt

Am Freitag, 17.2.2022, erscheint im Odenwälder Echo ein Bericht über mich, den Sabine Richter geschrieben hat. Ich finde, sie hat mich prima porträtiert, ich bin sehr zufrieden.

Hier könnt ihr das Interview noch mal ein bisschen bequemer lesen:

Konfliktfähigkeit fürs Führungsamt

Brombachtal vor der Bürgermeister-Direktwahl: Ralf Drexelius aus Kirchbrombach greift für die SPD nach der Stelle

Von Sabine Richter

KIRCHBROMBACH . Ralf Drexelius ist ein bekanntes Gesicht in Brombachtal. Als Erster Beigeordneter vertritt der Sozialdemokrat den Bürgermeister, aber eine Führungsrolle hat er bereits seit 2009 inne – damals als Ortsvereins-Vorsitzender. 2011 wählten ihn die Bürger dann ins Parlament, und fünf Jahre später war er Gemeindevertretervorsteher. Jetzt hält es der 54-Jährige für an der Zeit, politisch noch einen Schritt weiterzugehen: Ralf Drexelius möchte Bürgermeister von Brombachtal werden. Am Wahl-Sonntag, dem 6. März, stellt er sich seinem Konkurrenten Andreas Koch von der CDU. Amtsinhaber Willi Kredel (parteilos/ehemals SPD) tritt nicht mehr an.

Dabei sitzt Drexelius auch jetzt beruflich fest im Sattel. „Seit 34 Jahren bin ich Polizeibeamter“, erklärt er, und seine Einsätze sind durchaus unterschiedlich. Als Leiter der Verkehrsschulen für Südhessen hat er 20 Mitarbeiter. Und als Taktischer Sicherheitssprecher der Polizei spricht er vor großem Publikum in Fußballstadien, bei Konzerten, und, wenn bedeutende Persönlichkeiten kommen wie einst der Dalai Lama in Wiesbaden („ein beeindruckendes Erlebnis“). Bei allem geht es immer auch um Deeskalation, sagt Drexelius, und betont: „Als Polizist ist man konfliktfähig.“ In jüngeren Jahren betätigte er sich zudem als Polizeitaucher und förderte aus Seen abgerissene Zigarettenautomaten und gestohlene Mofas zutage. Es war sein Gerechtigkeitsempfinden, das ihn einst zur Polizei brachte, und das Bewusstsein für die Bedeutung eines Lebens in Sicherheit. „Da ist klar, ohne die Polizei geht es nicht.“ Dabei war er sich als Abiturient zunächst noch gar nicht so sicher, ob er nicht lieber Lehrer werden solle. Weil er aber nicht wollte, dass der Vater ihm das Studium finanziert, stand die Entscheidung fest.

In der Zeit nach dem Abitur, das er in Papenburg ablegte, lernte er seine Frau Petra kennen, mit der er inzwischen fast 28 Jahre verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat. Die 53-Jährige war es auch, die ihren Mann mit den Sozialdemokraten vertraut machte: Als Angestellte mit geschäftsführender Tätigkeit bei der SPD im Odenwaldkreis hatte sie viele Termine für die Partei zu erledigen. „Ich war halt oft mit dabei. Da konnte ich auch gleich eintreten“, blickt ihr Mann augenzwinkernd zurück. Das war 2003. Damals war die Familie gerade nach Kirchbrombach gezogen. Drexelius hatte inzwischen bei der hessischen Polizei angefangen, und weil das zweite Kind auf der Welt war, fand sich in Brombachtal das entsprechend große Haus. „Wenn ich einen Zwölf-Stunden-Tag hinter mit habe und hier auf der Terrasse sitze, fällt alles von mir ab“, sagt er.

In Kirchbrombach anzukommen, fiel der Familie leicht. „Da die Kinder ja noch klein waren, knüpfte man im Kindergarten, in der Schule und im Freibad schnell Kontakte.“ Bald war der heute 54-Jährige auch Mitglied im örtlichen TSV und im Schwimmbadverein, führte sechs Jahre lang als Fastnachts-Präsident durch viele Sitzungen, ist Awo-Vorsitzender in Brombachtal, passives Mitglied der Feuerwehr und bietet seit 1995 im Namen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates Präventionsveranstaltungen für Eltern und Senioren an. „Wir müssen Kinder verkehrssicher machen und auch ältere Menschen vor Unfällen schützen“, sagt er. Seine große Leidenschaft gehört jedoch dem Fußball: Drexelius ist bekennender Dortmund-Fan.

Das Thema Familie prägt auch die politische Idee des Bürgermeister-Kandidaten und der SPD in Brombachtal. „Die jungen Leute müssen nicht nur gesehen und gehört werden, sondern auch mitgestalten können“, fordert er. Deshalb setzen sich die Sozialdemokraten laut Drexelius dafür ein, mehr Nachwuchskräfte ins Parlament zu holen. Damit die Jüngeren sich in der Gemeinde besser aufgehoben fühlen, „wollen wir unbedingt auch einen Jugendpfleger haben“, erklärt der 54-Jährige. Außerdem plädieren die Sozialdemokraten dafür, den Platz am Feuerwehrhaus in Langenbrombach wieder so herzurichten, dass er von jungen Leuten genutzt werden kann: Dort sollen die Basketballkörbe und Fußballtore aufgebaut und der Zaun hergerichtet werden.

Zu den weiteren politischen Schwerpunkten von Drexelius zählt das Großthema Straßenverkehr. „Die Anwohner sind besorgt wegen der Lkw in Langenbrombach“, weiß er, und in Kirchbrombach ist der Begegnungsverkehr ein Problem. In Böllstein wiederum sind es die Motorradfahrer. „Wenn ich gewählt werde, werde ich diese Fragen sofort angehen“, verspricht der Polizeibeamte. Zu seinen weiteren Zielen zählen Investitionen wie der Bau eines neuen Feuerwehrhauses, „denn das treibt die Leute um“. Wie berichtet, ist das Grundstück dafür bereits gekauft, „aber es gibt noch keine validen Zahlen. Trotzdem sage ich, wir machen das. Es ist alternativlos“, sagt Drexelius. Auch muss das Kanalnetz teilweise erneuert werden, aber bedarfsorientiert und mit Augenmaß, „denn keiner gibt gerne viel Geld aus, erst recht nicht unter der Straße, wo man davon noch nicht mal etwas sieht. Wir müssen auch beachten, dass die Bürger dabei finanziell nicht zu stark belastet werden.“

Außerdem sind viele Ortsstraßen dringend zu erneuern. „In den nächsten zehn Jahren wird der Straßenbau die Gemeinde zehn Millionen Euro kosten“, rechnet der 54-Jährige vor. Um dies stemmen zu können, möchten Drexelius und die SPD beim Land Hessen finanzielle Unterstützung beantragen. „Das wäre die allerfairste Lösung, und wir hätten ein Problem weniger.“ Gerade angesichts der Tatsache, dass die Menschen wieder vermehrt aufs Land ziehen, muss die Region unterstützt werden, findet Drexelius.

Dazu passt aus seiner Sicht ein zeitgemäß funktionierender öffentlicher Personennahverkehr. „Denn aktuell ist hier um 19.30 Uhr Schicht, da fährt kein Bus mehr rein oder raus.“ Das Ziel des Bürgermeister-Kandidaten ist eine Abendanbindung an die Odenwaldbahn und eine bessere Taktung der Busse.

„Gut aufgestellt ist das Betreuungsangebot in der Grundschule und den beiden Kindergärten, von denen einer gar bis 16.30 Uhr geöffnet hat. Das müssen wir absolut beibehalten. Denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entscheidet letztlich darüber, ob junge Familien hierherkommen“, weiß der Sozialdemokrat.

Aber alle diese Aufgaben sind zu schaffen, sagt er: „Man muss ein bisschen beharrlich sein und kämpfen, dann kommt man auch zu was. Ganz viel geht jedoch nur gemeinsam.“